Deutschlandreisen - Reisen in die Bundesländer in Süddeutschland

 

Idyllische Rückzugsenklaven in Deutschland Süd

Das milde Klima und die malerischen Landschaften in Deutschland Süd haben immer wieder Bildende Künstler, Schriftsteller, Poeten und Philosophen in ihren Bann gezogen und ihnen kreativ inspirierende Rückzugsorte geboten.
Die Dichterin Marie Luise Kaschnitz kam mit 16 Jahren mit ihrer Familie von Berlin auf das elterliche Gut in Bollschweil südlich von Freiburg im Breisgau in Baden-Württemberg. Auch nachdem sie nach ihrer Hochzeit nach Rom und später dann nach Frankfurt übergesiedelt war, kam sie Zeit ihres Lebens, besonders aber nach dem Tod ihres Mannes 1958, immer wieder auf den väterlichen Familiensitz zurück, um Erholung zu finden und in Ruhe zu schreiben. In ihrem Werk „Beschreibung eines Dorfes“ setzte sie 1966 dem Ort ihrer Jugendzeit ein literarisches Denkmal. In 21 projektierten Arbeitstagen beschreibt sie den Ort Bollschweil, die umgebende Landschaft, die Geschichte und die Bewohner:
 „Am nächsten Tag, meinem zweiten Arbeitstag, werde ich zur Vogelschau zurückkehren. Ich werde zuerst die schönen Waldränder bekannt geben, dann das Wiesenvorland, dann das Rheintal, die Vogesen, den Schweizer Jura und die Burgundische Pforte, die man übrigens auch von den Mansardenfenstern des Hauses Nr. 84 sieht.“


Nicht weit entfernt in Deutschland Süd fanden zahlreiche Schriftsteller und Maler in dem Kurort Badenweiler ihr „Paradiesgärtlein“ (Johann Peter Hebel), oder ihr „Stück Italiens auf deutschem Grund“(Justinus Kerner). Der im Elsass geborene Schriftsteller René Schickele, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, lebte hier „im warmen, gehütetsten Winkel des alemannischen Gartens“ von 1919 bis 1932 und engagierte sich nach dem 1. Weltkrieg leidenschaftlich für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich- die Schönheit der Landschaft verpflichte beide Länder zu einem gemeinsamen europäischen Weg. Einen literarischen Niederschlag fand dieses Anliegen in seinen Werken „Erbe am Rhein“, „Die Grenze“ und „Himmlische Landschaft“. In Badenweiler war René Schickele freundschaftlich verbunden mit der Dichterin Annette Kolb und dem Maler Emil Bizer.
Annette Kolb war wie René Schickele Tochter eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter und wie dieser eine überzeugte Pazifistin. Nachdem ihr dieses Engagement während des ersten Weltkrieges ein Brief- und Reiseverbot des bayrischen Kriegsministeriums eingehandelt hatte, ging sie zeitweise ins schweizer Exil und ließ sich dann 1923 in Badenweiler in unmittelbarer Nachbarschaft von René Schickele nieder, den sie schon seit 1914 kannte. Ebenfalls wie dieser ging sie 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Emigration. Nach Stationen in Paris, ab 1941 dann in New York, kam sie aber  nach dem Kriegsende bis zu ihrem Tod 1967 immer wieder zurück nach Badenweiler, dessen reizvolle landschaftliche Umgebung sie einmal als „Gottes Mantelfalte“ bezeichnet hatte.
Emil Bizer kam schon 1912 nach Badenweiler, wo er zu dem markgräfler Maler wurde. Zunächst wurde er bekannt durch seine expressiven Holzschnitte, ab Ende der 20er Jahre dann durch seine Malerei, die in kräftigen Farben und klaren, reduzierten Formen vor allem die markgräfler Landschaft und ihre Bauern zum Thema hatte. „Landschaften der Seele“ nannte diese Bilder der Schriftsteller Gustav Faber. Trotzdem galt seine Kunst im Dritten Reich ab 1937 als „entartet“ und er erhielt Malverbot. Dieses Schicksal teilte auch Oskar Schlemmer, der sich 1937 nach den Schmähungen der Propagandaausstellungen „Entartete Kunst“ und „Bolschewismus ohne Maske“ nach Sehringen bei Badenweiler in Baden-Württemberg zurückzog. Im Unterschied zu Emil Bizer, dessen Werk nach dem Krieg Anerkennung fand, konnte Oskar Schlemmer jedoch durch seinen Tod im Jahr 1943 seine Rehabilitation nicht mehr erleben.